Imame verweigern Attentätern das Totengebet

Richtiges Signal: Außenminister Gabriel zum Anschlag in London

Moscheegemeinden in Deutschland unterstützen den Vorstoß britischer Imame, den Terroristen der jüngsten Anschläge in London das Totengebet zu verweigern. „Von der Verweigerung geht ein sehr starkes und richtiges Signal aus. Mehr geht nicht“, sagt Cemil Sahinöz, Vorsitzender des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Bielefeld, der in Bielefeld erscheinenden Tageszeitung „Neue Westfälische“. Emin Özel, Sprecher der Muslime in Paderborn, nannte das Vorgehen eine „harte aber gerechtfertigte Maßnahme“ gegen die Täter. Neue Westfälische

Imame verweigern Attentätern das Totengebet

Muslimische Geistliche verweigern den London-Attentätern das Totengebet. Das ist heikel und diskussionswürdig. Aber richtig – und vor allem wichtig. Denn von dieser symbolischen Aktion geht ein deutliches Signal aus: „Wir grenzen uns von Euch ab. Ihr gehört nicht zu uns. Ihr seid keine Muslime.“  Diese Aussage ist keineswegs neu und sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch das ist sie nicht. Seit dem Paris-Anschlag im November 2015 erschüttern Attentate die westliche Welt. Eines haben alle gemeinsam: Ihre Drahtzieher berufen sich auf den Islam, seine heilige Schrift, den Koran, und auf ihren Gott Allah. Da mag es mitunter schwer fallen, keine Zusammenhänge zwischen der Religion und dem Terror zu bilden. Für Betroffene mag das umso mehr gelten – inmitten von Trauer und Schmerz. Wir neigen durch Hass dazu, Rationalität und Weitsicht zu verdrängen.

Genau das ist das Ziel der terroristischen Rattenfänger: die Gesellschaft zu spalten. Das haben sie mit den anderen Extremen, den Rechtsradikalen, gemeinsam. Gefördert wird das Problem durch die Außendarstellung einiger muslimischer Gemeinden: Ihre öffentlichen Abgrenzungen finden oft nicht genug Gehör. Oder sie finden gar nicht statt, da die Muslime – eigentlich völlig zurecht – keine Notwendigkeit sehen, sich von Terroristen abzugrenzen. Sie haben nichts gemeinsam. Und dennoch sollten sie genau das immer wieder tun: Deutlich machen, dass es unter den Muslimen keinen Platz gibt für Terroristen. Ihnen das Totengebet zu verweigern, ist deshalb ein richtiges Signal. Ingo Kalischek – Neue Westfälische

Außenminister Gabriel zum Anschlag in London

Zum Anschlag in der vergangenen Nacht in London sagte Außenminister Gabriel: „Es waren bestürzende Nachrichten, die uns in dieser Nacht aus London erreicht haben. Die Briten haben unser tiefes Mitgefühl und unsere ganze Solidarität. Wir sind in Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und allen in dieser wunderbaren, mutigen Stadt. Den Verletzen wünschen wir von Herzen eine rasche und vollständige Genesung.

Einmal mehr ist Großbritannien vom Terror getroffen worden, einmal mehr war der Anschlag auf Menschen gerichtet, die einfach nur einen vergnüglichen Abend verbringen wollten.

Wir sind an der Seite unserer britischen Freundinnen und Freunde und werden nicht weichen. Noch kennen wir nicht alle Hintergründe der Tat, aber klar ist schon jetzt: Für die Brutalität und Hinterhältigkeit solcher Verbrechen kann es keinerlei Rechtfertigung geben.“ Auswärtiges Amt

Die ersten Gedanken sind bei den Opfern und Hinterbliebenen. Der zweite Gedanke gilt denen, die sich heldenhaft und beispielhaft verhalten haben beim Anschlag in London, aber auch bei der Terrorwarnung bei „Rock am Ring“. In London hat ein Beamter mit bloßen Händen eingegriffen; Ärzte, Sanitäter, Bürger, die anderen Übernachtungsmöglichkeiten boten, sind Vorbilder. Kein Vorbild war der Veranstalter Marek Lieberberg, der über die Unterbrechung von Rock am Ring jammerte. Vorbildlich haben sich dort die Besucher verhalten. Am Abend zogen sie diszipliniert von dannen und sangen „You’ll never walk alone“, am anderen Morgen kamen sie zurück. Facebook erklärt im Brustton der Überzeugung, man wolle im Netz eine „feindselige Umgebung“ für Terroristen schaffen. Eine sehr gute Nachricht, leider furchtbar spät.

Ein paar Prinzipien sind in Zeiten des Terrors gar nicht so neu, funktionieren jetzt aber anders. Je früher wir uns zum Beispiel an schärfere Kontrollen gewöhnen, desto besser. Dagegen ist es Blödsinn, wenn Trump „alle Muslime raus“ schreit. Dass Polizisten Attentäter, solange die ein Messer in der Hand haben, im Zweifel sofort erschießen, ist nach allen juristischen und ethischen Regeln geboten. Nicht gut ist es dagegen, wenn sich eine Premierministerin wie Theresa May, die sich im Wahlkampf zur neuen „Eisernen Lady“ hochstilisieren will, ohne bisher im Entferntesten an die Ebene von Margaret Thatcher heranzureichen, mit der „Shoot to Kill“-Taktik regelrecht brüstet und von „Ausrottung“ des Islamismus redet. Sprachliche Radikalisierung dient der Sicherheit nicht. Reinhard Breidenbach – Allgemeine Zeitung Mainz

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