In Frankreich brennt Notre Dame und Deutschland zahlt – Warum?

Bundesregierung bietet Frankreich Hilfe beim Wiederaufbau von Notre Dame an

In Frankreich brennt Notre Dame und Deutschland zahlt – Warum?

Die Bundesregierung bietet Frankreich Hilfe beim Wiederaufbau der durch ein Feuer beschädigten Kathedrale Notre Dame in Paris an. „Wenn Deutschland helfen kann, und sei es mit Unterstützung von Fachkräften und Restauratoren, um das was verloren gegangen oder beschädigt worden ist wieder aufzubauen, werden wir Frankreich dabei unterstützen“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Das ist ein Unglück, das alle sehr bewegt hat.

Wir sind alle eng verbunden mit den Franzosen in dieser Situation.“ Die gotische Kirche sei ein enormer Kulturschatz und Teil der französischen Seele, sagte der CDU-Politiker. Die Bundesregierung werde mit Paris darüber sprechen, welche Hilfe konkret aus Deutschland benötigt werde. „Jetzt geht es darum, den Schaden zu bewerten. Wir müssen die Franzosen erst einmal fragen, was sie brauchen. Hilfsbereit sind wir ganz sicher.“

Die NRW-Bank leistet wertvolle Arbeit für das Land, zum Beispiel beim Thema Gründerförderung. Und natürlich ist sie ein wichtiges Gestaltungsinstrument der jeweils aktuellen Landesregierung, die mit Hilfe der Förderbank eigene politische Akzente setzen kann.

Doch die Frage ist, ob eine Spende in Höhe von 50.000 Euro für die abgebrannte französische Kathedrale von Notre-Dame am Ende wirklich dem Land NRW nutzt – oder nur dem Ministerpräsidenten?

Natürlich muss Armin Laschet als deutsch-französischer Kulturbevollmächtigter die deutsche Solidarität bei solch einem verheerenden Unglück betonen, er vertritt immerhin in diesem Ehrenamt die Interessen des Bundes und der 16 deutschen Bundesländer. Und die öffentliche Anteilnahme zeigt, wie viel Notre-Dame auch den Deutschen bedeutet. Die Förderbank des eigenen Bundeslandes hätte er dabei aber aus dem Spiel lassen sollen. Dann wäre gar nicht erst der Eindruck entstanden, hier würden verschiedene Interessen miteinander verquickt. Doch dieses Gespür fehlte ihm.¹

Brandkatastrophe von Paris: Zerstörtes Erbe

In nur wenigen Tagen, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, wollten Tausende Pariser wie in jedem Jahr das höchste Fest im Kirchenjahr in Notre-Dame begehen. In der Osternacht, in der die Christen die Auferstehung Jesu feiern, ist es ähnlich wie an Weihnachten immer ihre Kathedrale gewesen – die Kirche der Pariser. Nicht die der Touristen, die an so vielen anderen Tagen des Jahres Notre-Dame in Beschlag nahmen.

In dieser besonderen Nacht, in diesen historischen Mauern, die Victor Hugo in seinem berühmten Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ beschrieben hat, inmitten dieser beeindruckenden Architektur, inmitten all der Kunst, die vom Glauben, von Geschichten und Geschichte erzählte, hatten die stolzen Pariser ihre Stadt stets noch ein wenig mehr in ihren Herzen als ohnehin schon.

Die Zerstörung der Kathedrale durch das furchtbare Feuer hat vielen Parisern das Herz gebrochen. Jeder, der einmal in diesem einzigartigen Gebäude war, wird mit ihnen fühlen und trauern. Paris hat sein Herz verloren, Frankreich eines seiner bedeutendsten Wahrzeichen und die Welt einen kulturellen Schatz von unermesslichem Wert.

Ein schwacher Trost

Die Einsatzkräfte konnten die Gebäudestruktur „vor der vollkommenen Zerstörung“ retten. Der Nordturm, einer der beiden markanten Glockentürme, und die Fassade drohten zwischenzeitlich einzustürzen. Es ist ein schwacher Trost, dass er noch steht. Die Hitze im Gebäude war so groß, dass die Löscharbeiten nur von außen möglich waren. Der mittelalterliche Dachstuhl: völlig ausgebrannt. Der 96 Meter hohe Dachreiter aus dem 19. Jahrhundert: eingestürzt. Ein Großteil der Fenster - die berühmte Rose! - ist dem Feuer zum Opfer gefallen. Der größte Teil der Schätze ist, soweit sie sich forttragen ließen, zwar gerettet worden, darunter die für Katholiken sehr wertvolle Dornenkrone Christi. Aber es wird noch Wochen dauern, den gesamten Schaden zu überblicken.

Es macht fassungslos, dass in einer Zeit, in der es für nahezu jede Herausforderung eine technische Lösung zu geben scheint, etwas so Banales wie ein Feuer in so kurzer Zeit eine derart verheerende Zerstörung anrichten kann. Das ist nicht anders als zu Zeiten der Römer oder im Mittelalter. Was hat uns all der Fortschritt gebracht? Es ist traurig (erneut) zu sehen, wie schwer es den Menschen fällt, ihr kulturelles Erbe zu schützen. Die Zerstörung zeigt aber auch, wie verletzbar wir sind: Mit unserem Erbe verlieren wir auch ein Stück unserer Identität und somit letztlich ein Stück unserer selbst.

Noch ist es zu früh für die Schuldfrage. Auch die Untersuchungen zur Brandursache werden ihre Zeit in Anspruch nehmen. Ein Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten am Gebäude liegt nahe, die Staatsanwaltschaft ermittelt. War es ein Unfall? Ein technischer Defekt? Menschliches Versagen? Vorsatz? Zufall? Dummheit? Es ist wichtig, dem auf den Grund zu gehen und Lehren daraus zu ziehen, um künftig ähnliche Tragödien zu verhindern.

Versprechen und Verpflichtung

„Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen“, hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprochen, noch während die Löscharbeiten in Gang waren. Glücklicherweise ist die Kathedrale kunsthistorisch sehr gut dokumentiert. Das könnte bei einem Wiederaufbau helfen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Für die dringend notwendige, aktuelle Sanierung reichte das vom französischen Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget schon nicht aus. Man kann nur spekulieren, welche unvorstellbare Summe der Wiederaufbau kosten wird. Nun regnet es Spenden. Die französischen Milliardäre und Großunternehmen geben Hunderte Millionen Euro. Sogar in Deutschland wird – gemeinsam mit der Unesco – für Notre-Dame gesammelt.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch Macrons Versprechen ist auch eine Verpflichtung. Nicht nur bei der Kathedrale der Nation war der Staat nicht dazu in der Lage, die notwendigen Gelder aufzubringen. In vielen deutlich unbekannteren französischen Kirchen ist der Bedarf enorm. Auch sie sind kulturelles Erbe.

Jahrzehnte wird der Wiederaufbau nach ersten Schätzungen dauern, Generationen werden sich damit befassen müssen. Wenn er abgeschlossen ist, wird die Kathedrale ein neues, altes Gesicht haben. Sie wird die Narben der Katastrophe mit Würde tragen.

Das alte Notre-Dame aber ist unwiederbringlich verloren.²

¹Florian Rinke – Rheinische Post ²Aachener Zeitung – Von Christian Rein

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