Kurden in Deutschland erwarten Fluchtbewegung nach NRW – „Land muss sich vorbereiten“

Transatlantik-Koordinator kritisiert USA und ruft Kurden und Türken in Deutschland zur Ruhe auf

Kurden in Deutschland erwarten Fluchtbewegung nach NRW – „Land muss sich vorbereiten“

Der Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit, Peter Beyer, hat die türkische Militäroffensive in Nordsyrien als gefährlich kritisiert und Türken und Kurden in Deutschland zur Ruhe aufgerufen. „Der US-Abzug hat uns alle überrascht“, sagte Beyer der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ zur Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, seine Soldaten aus dem Kampf gegen den IS an der Seite der Kurden in Nordsyrien abzuziehen. „Verbündete im Kampf gegen den ‚Islamischen Staat‘ hätte Washington in keinem Fall alleine lassen dürfen.“

Unter der türkischen Offensive leide vor allem die Zivilbevölkerung. Die vereinbarte Waffenruhe sei brüchig. Deutschland und Europa müssten sich aber fragen, „ob wir uns genügend für die Stabilisierung in Syrien eingesetzt haben oder hier nicht mehr tun könnten“. Er mahnte ferner: „Wir haben kein Interesse daran, dass der Konflikt hier bei uns in Deutschland eskaliert. Ich appelliere an Kurden und Türken, sich friedlich zu verhalten.“¹

Die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) rechnet mit einer großen Flüchtlingsbewegung von Kurden nach Nordrhein-Westfalen. „Viele Flüchtlinge aus Nordsyrien haben Angehörige in NRW, die seit Jahrzehnten in Deutschland zu Hause sind. Sie sind für die Flüchtlinge natürlich jetzt die wichtigsten Ansprechpartner“, sagte Geschäftsführer Cahit Basar dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „NRW sollte sich jetzt auf steigende Flüchtlingszahlen vorbereiten, damit im Winter keine Familien in Turnhallen und Notunterkünften untergebracht werden müssen“, forderte Basar. Er rechnet damit, dass sich die Flüchtlinge im kurdischen Autonomiegebiet des Irak oder im Libanon sammeln. „Von dort werden dann viele versuchen, sich zum Beispiel über Zypern oder Griechenland nach Deutschland durchzuschlagen“, sagte Basar. In NRW leben derzeit 400000 Kurden.

Auch Berivan Aymaz, integrationspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, forderte die NRW-Landesregierung auf, sich auf die neue Lage einzustellen. „Ich rechne mit einer neuen großen Flüchtlingsbewegung von Kurden aus den Kriegsgebieten“, sagte die Politikerin aus Köln der Zeitung. „Ich befürchte, dass der von NRW-Integrationsminister Stamp angekündigte Abbau von Flüchtlingsunterkünften voreilig war“, fügte Aymaz hinzu. Ibrahim Yetim, Integrationsexperte der SPD, erklärte: „Herr Stamp hat nicht nachgedacht, als er das tat“. Der FDP-Politiker wies diesen Vorwurf zurück. Man könne derzeit nicht prognostizieren, ob es aufgrund der dramatischen Situation in Nordsyrien mehr Flüchtlinge in NRW geben werde. „Wir haben aber bewusst die Plätze in den Landesunterkünften nur moderat gesenkt“, sagte Stamp dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. NRW stelle derzeit rund 21000 Plätze für die Unterbringung von Asylsuchenden bereit. Darüber hinaus gebe es 9000 Stand-by-Plätze, die schnell aktiviert werden könnten.²

¹Rheinische Post ²Kölner Stadt-Anzeiger

DasParlament

Eine Antwort auf "Kurden in Deutschland erwarten Fluchtbewegung nach NRW – „Land muss sich vorbereiten“"

  1. Buerger   Donnerstag, 24. Oktober 2019, 11:47 um 11:47

    Der nächste Kriegsschauplatz, NRW?

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