Präsidentenwahl in der Ukraine: Der ideale Populist

Präsidentschaftswahl in der Ukraine reine Wut-Wahl

Präsidentenwahl in der Ukraine: Der ideale Populist

Die Ukrainer, die ihn gewählt haben, stimmten vor allem gegen alle anderen. Dabei widersprechen sich die politischen Ansichten seiner Anhänger. In welche Richtung der Präsident Selenski sich auch bewegt, jeder Schritt wird seine Popularität schwächen. Als vielleicht einziger gemeinsamer Nenner bleibt der enorme Missmut über die Korruption. Genau hier könnte Selenski mit einer energischen Offensive am meisten Punkte sammeln. Doch wird ausgerechnet ein Komiker im Präsidialpalast das korrupt-oligarchische System besiegen?¹

Die krisengeschüttelte Ukraine bekommt einen Komiker als Präsidenten, und das ist leider überhaupt nicht lustig. Im Gegenteil: Wolodimir Selenskijs Wahlsieg ist ein Risikofaktor ersten Ranges, und zwar nicht nur für die Politik in Kiew, sondern für Frieden und Stabilität im Osten Europas. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Wladimir Putin und die Strategen im Kreml bereits diverse Planspiele durchgegangen sind, wie sie die Wahl eines blutigen Amateurs an die ukrainische Staatsspitze für ihre Zwecke nutzen können. Vor diesem Hintergrund kann man nur hoffen, dass Selenskij klug genug ist, sich mit professionellen Beratern zu umgeben, auch wenn er als Held einer Anti-Establishment-Kampagne gewählt worden ist. Denn genau darum ging es: Die Ukrainer haben am Sonntag ihren fundamentalen Protest zu Protokoll gegeben. Sie votierten nur formal für Selenskij. In Wirklichkeit stimmten sie voller Wut gegen die andauernde Herrschaft einer zutiefst korrupten Oligarchen-Clique. Und die EU? Will sie die Ukraine nicht verlieren, sollte sie dem Land schnellstmöglich eine echte Beitrittsperspektive eröffnen.²

Früher hat Wladimir Selenski, der ukrainische Komiker, die politische Realität als Vorlage für seine brillante Satiresendung genutzt. Seit Sonntag ist die Satire nun die Vorlage für die politische Realität in der Ukraine. Der Komiker hat sich in eine herausfordernde Lage manövriert: Da er sich als Alles und Nichts gab und damit punktete, weil jeder Wähler in ihm das sehen konnte, was er sich wünschte und erhoffte, ist die Enttäuschung der Ukrainer vorprogrammiert. Selenski mag die Politik verhöhnen, nun aber ist er ein grundlegend wichtiger Teil dieser Politik und muss liefern, will er tatsächlich ein Diener seines Volkes sein.³

¹Stefan Scholl – Badische Zeitung ²Ulrich Krökel – Rheinische Post ³Stuttgarter Nachrichten

DasParlament

Eine Antwort auf "Präsidentenwahl in der Ukraine: Der ideale Populist"

  1. Buerger   Samstag, 27. April 2019, 12:29 um 12:29

    Die Ukrainer haben einen Komiker zum Präsidenten gewählt.
    Wir in D müssten mal unsere Komiker in Berlin abwählen damit wir wieder richtige Politiker bekommen.

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