Regierung prüfte Syrien-Einsatz der Bundeswehr zu wenig

DRK fordert sofort mehrtägige Waffenruhe in Syrien

Regierung prüfte Syrien-Einsatz der Bundeswehr zu wenig

Vielmehr gebricht es ihrem Handeln an Gemeinsamkeit, Vertrauen, Abstimmung im Detail. Was umso verrückter erscheint, als beide größtes Interesse daran haben, den Syrien-Konflikt zu beruhigen. Die USA, weil dies die wesentliche Voraussetzung wäre, den terroristischen Islamischen Staat entscheidend zu schwächen. Russland, weil der Sturz des verbündeten Assad-Regimes damit so gut wie unmöglich und die Basis einer stattlichen russischen Militärpräsenz am und im Mittelmeer gesichert würde. Stuttgarter Nachrichten

Es gibt keine westliche Strategie, die Zivilisten in Syrien vor der Waffengewalt von Damaskus zu schützen. Die Weichen dafür wurden vor drei Jahren gestellt, als sich Präsident Barack Obama nach den Giftgasattacken nicht entschließen konnte, Angriffe gegen das Assad-Regime zu fliegen. Wer aber nicht bereit ist, syrische Kampfflugzeuge vom Himmel zu holen, kann auch die Zivilbevölkerung nicht gegen einen Luftterror schützen, wie ihn Assad und Wladimir Putin jetzt über dem Osten Aleppos entfesseln.Obendrein bietet die Bilanz westlicher Interventionen im Nahen Osten keinerlei Hoffnung, dass es in Syrien besser laufen könnte. Sie ist eine einzige Kette katastrophaler Fehlschläge. Stuttgarter Zeitung

Situation in Aleppo/Syrien

Der Vorschlag war von tiefer Bitterkeit geprägt. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Außenpolitiker Omid Nouripour forderte gestern, die internationalen Syrien-Verhandlungen mitten ins Bombardement von Aleppo zu verlegen. Vielleicht ginge ja etwas voran, wenn die hohen Herren des Krieges selbst unmittelbar von Tod und Vernichtung bedroht wären. Ein solcher Vorschlag gilt im politischen Diskurs als unsachlich und war sicherlich auch als Provokation gemeint. Aber angesichts dessen, was sich auf den Schlachtfeldern Syriens tut, fällt Sachlichkeit nicht nur dem Deutsch-Iraner Nouripour immer schwerer. Wer nicht abgestumpft oder gequält den Blick abwendet vom Krieg in Syrien, der erfährt in diesen Tagen, da der jüngste winzige Waffenstillstand ad acta gelegt worden ist, von Grausamkeiten bisher ungekannten Ausmaßes; von noch stärkeren Bomben, noch größeren Zerstörungen, noch mehr Opfern als in den Monaten und Jahren zuvor. Von „Barbarei und Kriegsverbrechen“ spricht UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und kann der Apokalypse von Aleppo doch nichts entgegensetzen.

Amerikaner und Russen machen sich gegenseitig für die neue Eskalationsstufe verantwortlich, und auch die Bundesregierung sieht in der Unterstützung Moskaus für Syriens Machthaber Baschar al-Assad das Haupthindernis auf dem Weg zu einer wie immer gearteten Friedenslösung. Ob das stimmt, ist aus Westfalen äußerst schwer zu beurteilen. Bedenkenswert scheint auch, was Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte: „Auf dem Territorium Syriens sind Hunderte bewaffnete Gruppen aktiv. Alle, die Lust haben, bombardieren das Staatsgebiet.“ Das ist nahe an der Resignation. Immerhin scheint klar zu sein, dass Assads Machtwillen ungebrochen ist und er an seinem Ziel festhält, ganz Syrien wieder unter die Kontrolle seines Regimes zu bekommen. Mit Assad aber wird es keinen Frieden geben, allenfalls ein zerbombtes Syrien und Friedhofsruhe. Bis dahin bleibt es weiter streng getrennt. In den sicheren Konferenzsälen dieser Welt wird weiter verhandelt. Und in Aleppo wird geblutet und gestorben. Dirk Müller – Neue Westfälische

DRK fordert sofort mehrtägige Waffenruhe in Syrien

Präsident Seiters „entsetzt“ über humanitäre Katastrophe vor den Augen der Weltöffentlichkeit – „Das ist beschämend“

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat angesichts der katastrophalen Lage in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo eine sofortige Waffenruhe über mehrere Tage gefordert. Es sei „beschämend“, wie sich die politischen Akteure gegenseitig die Schuld an der militärischen Eskalation in Syrien zuschöben, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er sei „entsetzt“, dass sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit „eine beispiellose humanitäre Katastrophe abspiele“.

Eine längere Kampfpause sei dringend erforderlich, um die Zivilbevölkerung in Aleppo mit Nahrung, Trinkwasser und Medikamenten versorgen zu können. Hunderttausende, darunter viele Frauen und Kinder, seien ohne Wasser und Strom, beklagte Seiters. Die Bedingungen in den wenigen verbliebenen Krankenhäusern seien menschenunwürdig. In den vergangenen Tagen ist nach seinen Worten dem Syrischen Arabischen Roten Halbmond und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zwar erstmals seit sechs Monaten gelungen, die Zivilbevölkerung unter anderem in vier eingeschlossenen Städten in Syrien mit Hilfsgütern zu versorgen. Humanitäre Hilfe sei jedoch kein Ersatz für eine dringend erforderliche politische Lösung des Konflikts, betonte der DRK-Präsident. Neue Osnabrücker Zeitung

Bombenhagel auf Aleppo: „Es ist die Hölle auf Erden“

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