Regionalwahl in Frankreich: Populisten profitieren vom Verdrängen der Probleme

Der Damm ist gebrochen

Regionalwahl in Frankreich: Populisten profitieren vom Verdrängen der Probleme

Es ist eine Dynamik, die die von den anderen Parteien enttäuschten Wähler massiv nach Rechtsaußen treibt. Hin zu den vereinfachenden Lösungen der rechtspopulistischen Nationalen Front (FN). Der dünne Damm, der Rechtsbürgerliche noch davon abhielt, für die radikal europa- und einwanderungsfeindliche Partei zu stimmen, ist gebrochen. Christine Longin Badische Neueste Nachrichten

Das Familienunternehmen Le Pen mit Parteichefin Marine und der aufstrebenden Nichte Marion Maréchal Le Pen als Leitfiguren, konnte es dabei belassen, die üblichen Beruhigungsmittel zu reichen, sprich: Feindbilder, bei deren Anblick Angst in Zorn umschlägt. Auch sie sind hinlänglich bekannt: Einwanderer, Muslime, Europa. Mehr hat es nicht gebraucht – und mehr hat der Front National ja auch nicht zu bieten.

Das Programm der Rechtspopulisten ist nicht dazu angetan, Probleme zu entschärfen, etwa dem Terror Einhalt zu gebieten oder die Wirtschaft voranzubringen. Terroristen werden sich von Schlagbäumen nicht aufhalten lassen. Wenn die propagierte Abschottung etwas bewirkt, dann den Ruin der zu 50 Prozent international verflochtenen französischen Wirtschaft. Stuttgarter Zeitung

Es gibt Möglichkeiten, die starke Stellung des Front National kleinzureden: Die französischen Regionen haben viel weniger Bedeutung als die deutschen Bundesländer. In der zweiten Runde können Sozialisten und Konservative gemeinsam das Schlimmste verhindern, und aus den gleichen Gründen kann Marine Le Pen nie Präsidentin werden. Wahrscheinlich erscheint das derzeit nicht. Aber ob die Terrorangst bis Frühjahr 2017 abgeklungen ist oder sich im Gegenteil weiter steigert, kann niemand vorhersagen.

Für Deutschland heißt das: Wenn Präsident Hollande den wenig wohlriechenden Atem des Front National ständig im Nacken spürt, wird es schwierig, Frankreich als Verbündeten in der Flüchtlingspolitik oder in der Frage offener Grenzen in Europa zu gewinnen. Und andere Partner bieten sich nicht gerade an: Polen scheint dem dunklen Pfad Ungarns folgen zu wollen, England sucht einen ganz eigenen, den Süden hat Berlin durch Härte in der Schuldenpolitik verprellt, und selbst im Norden gewinnen rechte Populisten an Boden. Dagegen wirken die deutschen Umfragezahlen für die AfD äußerst harmlos. Ob dies der weitgehenden Vernunft der Wähler geschuldet ist oder nur der ungewöhnlich guten Lage der Wirtschaft, für deren Fortbestehen es keine dauerhafte Garantie gibt?

In Zeiten des Umbruchs haben es Schwarz-Weiß-Maler und Propagandisten einfacher Lösungen leichter. Was dagegen hilft: Schwierigkeiten nicht verschweigen, sondern bekämpfen. Frankreich hat seine sozialen und ökonomischen Probleme jahrzehntelang verdrängt. Und hierzulande muss dringend das Vertrauen zurückkehren, dass die Behörden die Flüchtlingskrise im Griff haben. Dann hören die europäischen Nachbarn auch wieder besser zu. Harald Ries Westfalenpost

Regionalwahlen in Frankreich: Front National vor dem Triumph?

https://youtu.be/sFNwreb336U

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2 Antworten zu "Regionalwahl in Frankreich: Populisten profitieren vom Verdrängen der Probleme"

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