Terroranschlag in Manchester

Perverse Tat

Die Tat in Manchester ist bei Twitter angekündigt worden. Der mutmaßliche Täter soll der Polizei bekannt gewesen sein. Wie es dem Attentäter gelingen konnte, mit einer Strengstoffvorrichtung die Sicherheitskontrollen an der Konzerthalle zu überwinden, ist eine weitere offene Frage. Es gibt viel zu tun, und es muss noch mehr getan werden. National und international.

Terroranschlag in Manchester

Bei aller Bestürzung, bei allem Grauen wird auch nach diesem Anschlag nichts anderes übrig bleiben, als noch wachsamer zu sein als bisher, ohne dass irgendjemand genau erklären könnte, wo die Wachsamkeit beginnt und wo sie endet. Es wird nichts übrig bleiben, als das Leben weiter zu leben. Es kann keine Alternative sein, Konzerte, Sportveranstaltungen oder Volksfeste aus Furcht vor Anschlägen zu meiden. Es bleibt nichts anderes übrig, als mit den Angehörigen der Opfer zu trauern. Die große Welle an Hilfsbereitschaft, die die Konzertbesucher in Manchester erfahren haben, sie ist immerhin ein kleiner Lichtblick in einer trostlos scheinenden Welt. Stuttgarter Nachrichten

Nun also Manchester. Alle wussten es. Irgendwann würde es wieder passieren – und es ist passiert. Erneut Tote und Verletzte, erneut nach einem Anschlag, erneut in einer europäischen Metropole beim Konzert, erneut war der Täter der Polizei offenbar bekannt. Erneut, erneut, erneut…

Dennoch ist manches nicht so wie bei vielen Anschlägen zuvor. Die Tat übertrifft in ihren grausamen Details noch zusätzlich das, was wir von vielen Anschlägen leider kennen. Noch schlimmer und skrupelloser hat der Terror zugeschlagen und ausgerechnet Kinder und Jugendliche getroffen. Der Attentäter hat sich das Verletztlichste und Schutzwürdigste ausgesucht, das es gibt. Das ist das Perfide dieser Tat.

Der Sprengsatz soll mit Metallteilen bestückt worden sein, um eine verheerende Wirkung unter den meist minderjährigen Besuchern zu verursachen. Offenbar zwei Detonationen haben ebenso dazu geführt, dass es so viele Opfer gab. Vermutlich sollten noch weitaus mehr junge Menschen sterben.

Der Anschlag galt nicht nur dem freiheitlichen Leben nach unseren europäischen Wertvorstellungen im Allgemeinen, sondern hatte auch wie so oft einen religiösen Hintergrund. Er richtete sich gegen Konzertbesucher, die der Islamische Staat nach seinem Verständnis automatisch als Ungläubige bezeichnet. Die Botschaft, die von Manchester ausgehen soll, ist bekannt: »Nehmt nicht an Veranstaltungen teil. Lebt Euer Leben anders. Lebt es so, wie wir es wollen.« Aber diese Botschaft war falsch, ist falsch und wird immer falsch bleiben.

Denkt man sich in die von Wahn dominierten Gedanken der Terrormiliz und den Krieg mit der westlichen Welt hinein, so lässt sich erahnen, dass die Opfer aus Sicht des IS nur Stellvertreter sind für das gesamte Vereinigte Königreich. Großbritannien ist es, was der IS in seiner Gesamtheit treffen will, nachdem es zuletzt stärker denn je zu den Ländern gehört, die sich aktiv an der Anti-IS-Koalition mittels Luftschlägen, Spezialeinheiten und Bodentruppen beteiligen. So richtig der Kampf gegen den IS in dieser Form auch sein mag: Der Anschlag ist die bittere Folge. Was ist die Lehre aus der Tat von Manchester? Zunächst einmal ist es menschlich absolut verständlich, wenn Eltern noch sensibler werden. Wenn sie sich noch mehr Gedanken machen, ob ihre Kinder an Konzerten, dem Kirchentag in Berlin oder anderen Großveranstaltungen teilnehmen dürfen.

Die Sorge von Eltern, ihr Unbehagen, lässt sich nicht auf Knopfdruck abstellen. Jeder muss da seinen Weg finden. Richtig bleibt: Es ist nach wie vor wahrscheinlicher, dass Kindern auf dem Weg zur Schule, beim Spielen oder durch eine Krankheit etwas zustößt. Die Lehre für die Politik sollte es sein, für mehr Sicherheit zu sorgen und nicht nur nach Terroranschlägen davon zu sprechen. Sicherheit ist heutzutage zurecht eines der wichtigsten Anliegen der Menschen, nicht nur wegen der Gefahr von Terroranschlägen. Besucher von Großveranstaltungen müssen besser geschützt werden, ähnlich wie es bei Fußballspielen oder bei Flugreisen der Fall ist. Menschen auf öffentlichen Plätzen wie an U-Bahnen müssen besser geschützt werden. Wenn es in manchen Bundesländern schon daran scheitert, dass Kameraüberwachung auf öffentlichen Plätzen nicht möglich ist und somit Täter nicht gefasst werden können, wir aber gleichzeitig mehr Sicherheit wollen, passt etwas nicht im Staate.

Es fängt schon damit an, wie Ermittlungsbehörden miteinander arbeiten. Der Fall Amri hat gezeigt, wie es nicht funktioniert. Dass wir enormen Nachholbedarf beim Thema Sicherheit haben, zeigen auch die aktuellen Vorfälle in der Bundeswehr, in der Rechtsextreme ihr Unwesen treiben.

Die Tat in Manchester ist bei Twitter angekündigt worden. Der mutmaßliche Täter soll der Polizei bekannt gewesen sein. Wie es dem Attentäter gelingen konnte, mit einer Strengstoffvorrichtung die Sicherheitskontrollen an der Konzerthalle zu überwinden, ist eine weitere offene Frage. Es gibt viel zu tun, und es muss noch mehr getan werden. National und international. Westfalen-Blatt

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