Trump: Monster frisst Schöpfer

Republikaner als Geisel genommen

Trump: Monster frisst Schöpfer

Der Parteitag verlief nicht reibungslos, ebenso wie der bisherige Wahlkampf. Mit dem 70-jährigen Trump schicken die Republikaner einen der kontroversesten Kandidaten der letzten Jahrzehnte ins Rennen um das Weiße Haus. Für welche Agenda steht Donald Trump? Welche Chancen hat er, den Kampf ums Weiße Haus zu gewinnen? Was würde seine Wahl für das Standing der USA weltweit und das Verhältnis zu den Europäern bedeuten? phoenix-Kommunikation

Der Kandidat – Wofür steht Donald Trump?

Der »Frankenstein«-Kandidat hat das Ziel seiner Mission erreicht. Mit der offiziellen Nominierung auf dem Wahlparteitag der Republikaner hat Donald Trump seinen Schöpfer zerstört. Die Partei Abraham Lincolns, Ronald Reagans und George W. Bushs folgt nun einem Rattenfänger, der Amerikas Konservative in den Untergang führt. Selbst wenn Trump im November gewinnt, sind die Tage der »Grand Old Party« gezählt. Die Partei, die Amerika einst aus der Sklaverei führte, wird nun von einem bigotten Mann geführt, der offen Rassismus und Diskriminierung predigt. Die leidenschaftlichsten Verfechter des Freihandels haben nun einen Protektionisten an ihrer Spitze, der wirtschaftlichen Nationalismus über die Verheißung offener Märkte stellt. Dass nun ausgerechnet die emsigsten Agenten der Globalisierung die ersten Opfer eines Populisten werden, entbehrt nicht der Ironie und verlangt eine Erklärung.

Während die Führer der Republikaner über Jahrzehnte eine Politik betrieben, die soziale Sicherungsnetze zerschnitt, den Zugang zu Bildung und Gesundheit erschwerte und die kleinen Leute den Preis für ihre militärischen Abenteuer zahlen ließ, appellierten sie unterschwellig an die Ängste ihrer weißen Basis im ländlichen Amerika. Trumps Wähler finden es nun erfrischend, wenn ihr Führer nicht mehr bloß zwischen den Zeilen, sondern ganz direkt ausspricht, was viele von ihnen denken. Seine Schöpfer verloren die Kontrolle über das Monster, weil sie es über Jahre mit ihren impliziten Botschaften genährt hatten. Die Nominierung Trumps bedroht nun auch den Kern einer vitalen Nation, die entgegen aller Unkenrufe noch immer der Neid der Welt ist. Dass Amerika unter Präsident Barack Obama rasant auf ihren Niedergang zusteuert, gehört zu den Idiotien, die der Twitter-König aus seinem Wolkenkratzer in Manhattan schamlos verbreitet und der Parteitag beschwört. Tatsächlich blicken die USA auf eine der längsten Wachstumsphasen in der Geschichte zurück.

Der Aktienmarkt notiert so hoch wie nur zu vor und die Arbeitslosigkeit liegt mit unter fünf Prozent niedriger denn je. Zuletzt zogen auch die Löhne an. Die Probleme, die den USA zu schaffen machen, haben mit dem enormen Ungleichgewicht bei der Einkommens- und Wohlstandsverteilung zu tun. Die Globalisierung hat eine neue Unterklasse geschaffen, deren Angehörige mangels Zugang zu bezahlbarer Bildung kaum Aufstiegsmöglichkeiten haben. Die größte Gefahr für die USA rührt nicht von diesen realen Problemen, sondern narzisstischen Führern, die nicht an die besten, sondern niedersten Instinkte der Bürger appellieren. Trump steht nicht nur für eine andere Politik, sondern für ein anderes Amerika. Thomas Spang – Mittelbayerische Zeitung – Westfalen-Blatt

Donald Trump kandidiert für das Amt des US-Präsidenten

Was vom Präsidentschafts-Konvent der Republikaner in Cleveland bleibt, steht bereits fest, bevor Donald Trump vor aller Welt demonstrieren wird, dass das Stockholmsyndrom Einzug gehalten hat in die Welt der Politik. Der New Yorker Immobilien-Milliardär, dem die Präsidentschaftskandidatur nun nicht mehr zu nehmen ist, hat die Republikaner mit Hilfe der Stimmen von 14 Millionen Wutbürgern aus den Vorwahlen als Geisel genommen. Nach hartnäckiger Verweigerung hat ein großer Teil der Entführten den narzisstischen Täter, der den Bruch mit nahezu allen Überzeugungen und Traditionen der Konservativen personifiziert, fast ins Herz geschlossen. Eine Selbstaufgabe, die das Ende der „Grand Old Party“ bedeuten kann, wenn der radikale Rechtspopulist Trump bei der Wahl am 8. November untergeht.

Dass sie dann kein Mitleid verdient, hat das Polit-Panoptikum in Ohios Industrie-Metropole anschaulich gemacht. Trump und die Republikaner haben nur zwei Gemeinsamkeiten: die verzweifelte Sehnsucht nach der Macht. Und der pathologische Hass auf Hillary Clinton. Was in Cleveland über die gewiss fehlbare und problematische demokratische Kandidatin ohne Scham in die Mikrofone gesprochen wird, gleicht einem perfiden öffentlichen Schauprozess und ist der ältesten Demokratie der Welt unwürdig. Ob es das Terror-Drama in der US-Botschaft im libyschen Bengasi war oder die Welle von Anschlägen aus dem Inspirationskreis des Islamischen Staates: Für alles, was in der Welt und in Amerika schiefgeht, wird die ehemalige Außenministerin und First Lady haftbar gemacht. Dass ihr eigener Kandidat de facto fortgesetzten Landesverrat begeht, blenden die allermeisten Delegierten aus. Obama/Clinton/Demokraten sind an allem schuld.

Dass die Realität bei unbestreitbar riesigem Verbesserungsbedarf völlig anders aussieht – mit fünf Prozent Arbeitslosigkeit, einer die Weltwirtschaft antreibenden Ökonomie, Rekord-Börsen, sinkenden Kriminalitätsraten und kleinerem militärischen Fußabdruck auf dem Globus – will die Partei von Abraham Lincoln und Ronald Reagan nicht wahrhaben. Die Republikaner unter dem notorischen Lügner Donald Trump sind die „Walking Dead“ der amerikanischen Politik geworden. Rückwärtsgewandte, von rassistischen Ressentiments und Hass auf Andersdenkende getriebene Untote, die ihr Land als Epi-Zentrum der nahenden Apokalypse begreifen. Das ist hanebüchener Unsinn. Das muss schiefgehen. Und damit auch Donald Trump. Dirk Hautkapp, Cleveland – Neue Westfälische

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