US-Präsident Barack Obama beschwört Kenianer

Obamas Afrika-Besuch weckt gemischte Gefühle

US-Präsident Barack Obama beschwört Kenianer

Barack Obama hat mit dem Staatsbesuch in der Heimat seines Vaters endlich getan, worauf viele schon lange gewartet haben. Der US-Präsident wandte sich bei seiner ersten Reise nach Kenia und Äthiopien einem Kontinent zu, der sich von der Supermacht sträflich vernachlässigt fühlte. George W. Bush hinterließ in diesem Teil der Welt bisher ein nachhaltigeres Erbe als der Sohn eines Kenianers. Die massive Hilfe der USA bei der Aids-Bekämpfung rettete wohl nicht nur Millionen Menschenleben, sie machte auch Fortschritte beim Aufbau der Zivilgesellschaften und letztlich wirtschaftliche Entwicklung möglich. Paradoxerweise ließ dieser Erfolg die Staaten der Sub-Sahara weit nach unten auf Obamas Prioritätenliste rutschen.

Der afro-amerikanische Präsident hatte mehr damit zu tun, den Scherbenhaufen zusammenzukehren, den Bush in Afghanistan und Irak hinterlassen hatte, und den geostrategisch drängenden Schwenk nach Asien einzuleiten. Im Fall Kenias dürfte es aber auch wahltaktisches Kalkül gewesen sein. Die „Willkommen in der Heimat“-Tafeln, die Obama begrüßten, die Bilder mit seiner Stiefmutter und Halbschwester und all die anderen Referenzen an den „Sohn Kenias“ hätten in Wahlkampfzeiten Öl ins Feuer der als „Bir-ther“ bekannten Verschwörungstheoretiker geschüttet. Der Präsident spielte scherzhaft darauf an, als er beim Staatsdinner meinte, er sei gekommen, nach seiner Geburtsurkunde zu suchen.

Achtzehn Monate vor dem Ende seiner Amtszeit braucht Obama solche Rücksichtnahmen nicht mehr zu üben. Deshalb konnte er sich als erster Präsident der USA mit kenianischen Wurzeln präsentieren und unmittelbar eine Nähe schaffen, die den meisten Nicht-Afrikanern abgeht. Das alte Charisma des Hoffnungsträgers lebte auf, als er vor einer riesigen Menge in einem Sportstadion in Nairobi den Aufbruch Kenias beschwor. Dass er dabei nicht wie ein Entwicklungshelfer, sondern Wirtschaftspartner sprach, setzte einen neuen, respektvollen Ton. Weil er als Partner kam, konnte er sich auch Kritik an Gastgeber Kenyatta erlauben und diesen mutig ermahnen, Homosexuelle nicht zu diskriminieren. Obamas Besuch in Ostafrika markierte Rückversicherung und Aufbruch zugleich. Und setzte ein deutliches Signal, dass die USA Afrika nicht vergessen haben. Von Thomas Spang Weser-Kurier

Der amerikanische Präsident hält in der Heimat seines Vaters ein eindringliches Plädoyer für die Gleichberechtigung von Homosexuellen – und der Gastgeber lässt ihn durch die Blume wissen, was er von Einmischung hält: nichts. Die kleine Szene zwischen Barack Obama und Kenias Präsident Uhuru Kenyatta steht stellvertretend für Amerikas schwindenden Einfluss auf einem Kontinent mit 54 höchst unterschiedlich zur Moderne befähigten und entschlossenen Staaten. Man lässt sich von Washington nur noch widerwillig Vorschriften machen.

Die emotionalen Bilder von jubelnden Kenianern können nicht über die Ernüchterung hinwegtäuschen, die Obamas Politik der Zurückhaltung ausgelöst hat. Im Kontrast dazu steht die Erwartung, im Kampf gegen den wachsenden islamistischen Terrorismus gerade von den USA mehr Unterstützung zu bekommen. Aber Obamas Mittel sind begrenzt. Sein letzter großer Afrikabesuch wird so bestenfalls zwiespältige Gefühle hinterlassen. Von Dirk Hautkapp, Washington Neue Westfälische

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