US-Wahlkampf der rüstigen Rentner: Clinton und Trump öffnen Krankenakten

Clinton und Krankheit

US-Wahlkampf der rüstigen Rentner: Clinton und Trump öffnen Krankenakten

Für Clinton rächt sich nun die Geheimniskrämerei, die sie um ihren Gesundheitszustand betrieben hat. Statt den Verschwörungstheorien frühzeitig das Wasser abzugraben, nährte sie diese mit fehlender Transparenz. Die Kandidatin ist wieder einmal selber ihre ärgste Gegnerin. Hillary leidet nicht an einer tödlichen Krankheit, sondern krankhaftem Ehrgeiz, der keine Schwäche zulässt. Dafür spricht die Fahrlässigkeit, mit einer Lungenentzündung zu einer anstrengenden Veranstaltung zu gehen, statt das Bett zu hüten. Clinton projiziert damit nicht das Image einer „eisernen Lady“, sondern einer zerbrechlichen älteren Dame. Das ist Wasser auf die Mühlen des Rechtspopulisten, der in der heißen Phase des Wahlkampfs alles tun wird, die Spekulationen über eine bedrohliche Krankheit Hillarys anzuheizen. Da beide Kandidaten im fortgeschrittenen Lebensalter sind, sollten sie ihre Krankenakten vollständig öffentlich machen, und zu dem zurückkehren, worum es wirklich geht: Einem Wettstreit, wer die beste Qualifikation hat, an der Spitze der Supermacht zu stehen. Thomas Spang – Mittelbayerische Zeitung

Clintons Gesundheit

Die »Oktober-Überraschung« dieser Präsidentschaftswahlen kam bereits im September. Der Schwächeanfall Hillary Clintons an Ground Zero wirbelt nun den amerikanischen Wahlkampf gründlich durcheinander. Plötzlich geht es nicht mehr um die unsägliche Bigotterie eines National-Chauvinisten, der Diktatoren bewundert und mit Rassismus auf Stimmenfang geht, sondern um die körperliche Fitness der 68-jährigen Clinton. In den USA gehört es zur politischen Tradition, die Gesundheit der Kandidaten für das Weiße Haus genauestens unter die Lupe zu nehmen. Deshalb veröffentlichen Bewerber in der Regel ihre vollständigen Krankheitsakten. Für Clinton rächt sich nun die Geheimniskrämerei, die sie um ihren Gesundheitszustand betrieben hat. Dabei besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse daran zu erfahren, ob Clintons Gehirnerschütterung mit Blutgerinnsel von 2012 nachhaltige Folgen hatte.

Sachlich aufklären ließen sich auch die beiden früheren Thrombosen, die sie 1998 und 2009 erlitt. Statt den Verschwörungstheorien frühzeitig das Wasser abzugraben, nährte Clintons Team diese mit der fehlenden Transparenz. Die Kandidatin ist wieder einmal selber ihre ärgste Gegnerin. Sie leidet nicht an einer tödlichen Krankheit, sondern an krankhaftem Ehrgeiz, der keine Schwäche zulässt. Dafür spricht die Fahrlässigkeit, mit einer Lungenentzündung zu einer anstrengenden Veranstaltung zu gehen, statt das Bett zu hüten. Das ist Wasser auf die Mühlen von Donald Trump, der ihr scheinheilig »gute Besserung« wünscht. Tatsächlich wird der Rechtspopulist in der heißen Phase des Wahlkampfs alles tun, die Spekulationen über eine bedrohliche Krankheit der Gegenkandidatin anzuheizen. Bei aller Schadenfreude muss Trump aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen.

Schon jetzt sieht er sich dem Vorwurf ausgesetzt, eine gehörige Portion Sexismus in den Wahlkampf zu tragen. Frauen, so die kaum versteckte Unterstellung Trumps, seien eben nicht stark genug für den Job im Weißen Haus. Dabei weiß die Öffentlichkeit genauso wenig über Trumps Gesundheit. Der Liebhaber frittierter Hühnerschenkel, fettiger Fritten und anderer Fastfood-Delikatessen hat sich sein Attest von jemanden ausstellen lassen, der so seriös wirkt wie die Doktoren am Hippie-Strand von Venice, die für ein paar Dollar ein Attest für medizinisches Marihuana verschreiben. Da beide Kandidaten im fortgeschrittenen Lebensalter sind, sollten sie ihre Krankenakten vollständig der Öffentlichkeit zugänglich machen und zu dem zurückkehren, worum es wirklich geht: zu einem Wettstreit, wer die beste Qualifikation, das solideste Urteilsvermögen und das passendste Temperament hat, um an der Spitze der Supermacht zu stehen. Westfalen-Blatt

Das Problem ist weniger, dass sie kollabierte. Vielmehr geht es darum, wie ihr Wahlkampfteam dem Journalistentross, der jede Bewegung der Kandidatin verfolgt, erst Informationen verweigerte und dann verschiedene Versionen als Grund für den Kollaps anführte. Diese restriktive Informationspolitik entspricht Clintons Vorgehen bei früheren Gesundheitsproblemen. Drei Mal musste sie sich seit 1998 wegen Blutgerinnseln behandeln lassen. Alles keine großen Sachen, wie es scheint. Doch solch ein Verhalten schadet ihrer Glaubwürdigkeit, an der ohnehin schon viele Amerikaner zweifeln. Das kann für sie gefährlich werden. Denn von einer künftigen Präsidentin erwarten die Wähler zu Recht sowohl eine robuste Gesundheit als auch große Offenheit über ihr Befinden. Mitteldeutsche Zeitung

Hillary Clinton laut ärztlichem Gesundheitsattest fit for President

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