USA geopolitische Interessen bei Kuba Annäherung

Obamas Meilenstein

USA geopolitische Interessen bei Kuba Annäherung

Es ist nicht nur der Wunsch nach einer guten Bewertung in den Geschichtsbüchern, der Barack Obama und Rául Castro dazu bewegt, aufeinander zuzugehen. Dahinter stehen handfeste geopolitische Interessen. Die USA haben schon einmal sehr schlechte Erfahrungen mit sozialistischen Raketen vor ihrer Haustür gemacht. 1962 stand die Welt kurz vor einem Atomkrieg. Ein russischer Stützpunkt in der Karibik wäre wohl das Letzte, was Washington in der aufgeheizten Gesamtlage heute noch bräuchte.

Das Zugehen auf die kommunistischen Nachbarn minimiert diese Möglichkeit erheblich. Kuba hingegen steht nach dem ökonomischen Niedergang Venezuelas weitgehend ohne Großsponsor da. Die Castros haben durchaus aus der Vergangenheit gelernt, wie gefährlich es ist, sich in die Abhängigkeit eines einzigen Freundes zu begeben. Nun wird die Freundschaft und die Hoffnung, davon zu profitieren, gleichmäßig verteilt. Auf Brasilien, China, Mexiko – und eben die USA. Stuttgarter Zeitung www.stuttgarter-zeitung.de

Die „Hemingway’s Bar“ im Keller der seit über 50 Jahren außer Dienst gestellten kubanischen Botschaft in Washington ist ein Geheimtipp. Bei seltenen Anlässen kredenzt die Interessenvertretung der sozialistisch regierten Karibikinsel den besten Mojito weit und breit. Ab 20. Juli werden in dem Gebäude wieder kubanische Diplomaten im Volldienst arbeiten.

Auf dem Weg zur Normalisierung der seit über 50 Jahren ins künstliche Koma versetzten Beziehungen hat US-Präsident Obama jetzt einen Meilenstein gesetzt. Die wechselseitige Wiederbelebung der 1959 beendeten diplomatischen Kontakte, die Eröffnung offizieller Botschaften in Havanna und Washington, stellt den frisch begonnenen Auftauprozess zwischen beiden Ländern auf ein neues Fundament.

Im Dezember 2014 hatte Obama den Strategiewechsel in der bis dahin auf Ausgrenzung setzenden Kuba-Politik verkündet. „Isolation hat nicht funktioniert. Es ist Zeit für einen neuen Ansatz.“ Im Frühjahr trafen er und Kubas Präsident Raúl Castro in Panama zusammen. Bei der ersten offiziellen Begegnung von Staatsoberhäuptern beider Länder seit der kubanischen Revolution wurde deutlich, dass Havanna alle weiteren Schritte der Annäherung davon abhängig macht, ob Washington Kuba von der Liste der Länder nimmt, die den Terrorismus unterstützen. Und ob das Wirtschafts-Embargo gegen den Inselstaat aufgehoben wird.

Die erste Forderung erfüllte Obama. Den zweiten Wunsch kann er nur mit Zustimmung des fest in Republikaner-Hand stehenden Kongresses bedienen. Mit Unterstützung ist dort kaum zu rechnen. Präsidentschaftskandidaten wie Ted Cruz, Marco Rubio und Jeb Bush lehnen die Lockerungsübungen der Regierung gegenüber Havanna ab. Solange das kommunistische Regime weiter die Menschenrechte missachte und seinem Volk die Freiheit verwehre, lautet ihr Tenor, solange müsse eine politische Aufwertung des Regimes strikt unterbleiben.

Dass Obama und Castro II Kurs halten, ist darum umso wichtiger. Auf Kuba hat nicht nur mit dem globalen Wohnungsvermittler Airbnb längst der Kapitalismus Einzug gehalten. Politisch stabile Leitplanken bei diesem Experiment sind unerlässlich. Kommentar von Dirk Hautkapp zum Verhältnis USA/Kuba Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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