Wandel ist machbar: Obamas Kuba-Besuch

Signal über Kuba hinaus

Wandel ist machbar: Obamas Kuba-Besuch

Der Welt blieb ein Inferno deshalb erspart, weil beide Seiten, sowohl US-Präsident Kennedy als auch Kreml-Machthaber Chruschtschow, die Nerven behielten und nicht in erster Linie auf ihre Militärs hörten. Andererseits zeigte Kennedy das angemessene Maß an Unbeugsamkeit. Beides zusammengenommen war eine historische Lehre. Der Kommunismus scheint auf Kuba alle Zeitenwenden überdauert zu haben.

Es gibt eine einzige herrschende Partei, die kommunistische, es gibt eine einzige Führungsfigur, Raúl Castro. Politische Gegner werden unterdrückt, auch jetzt noch, da nach Jahrzehnten tiefer Feindschaft eine Annäherung zwischen Washington und Havanna allenthalben gefeiert wird. Kuba verbittet sich in Sachen Menschenrechte jede „Einmischung“. So ist Obamas Besuch auf Kuba nicht unkompliziert, jedenfalls aber ein historischer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Friedfertigkeit. Obama sucht und braucht diesen außenpolitischen Erfolg. Er wird dafür Preise zahlen müssen, von denen vor allem einer, die Rückgabe Guantánamos, in mehrfacher Hinsicht Sinn macht.

Zugleich muss Obama unmissverständlich fordern, dass auch Kuba die Menschenrechte achtet. Wandel durch Annäherung, das alte Prinzip von Ost-West-Beziehungen, scheint erreichbar, könnte vor allem den Werktätigen auf Kuba zugute kommen. Deren Einkommen sind trotz massiver Anstrengungen im Tourismussektor extrem niedrig; auch staatliche Sozialleistungen à la DDR helfen nicht entscheidend. Reinhard Breidenbach Allgemeine Zeitung Mainz

Signal über Kuba hinaus

Die Invasion in der Schweinebucht war gestern! Heute brauchen die Amerikaner kein geheimes Kommandounternehmen mehr, um Kuba zu erobern. Heute kommen sie nicht mehr durch die Hintertür. Heute sind es auch nicht mehr nur 1500 Exilanten wie einst im April 1961. Heute sind es 320 Millionen. So viele Einwohner haben die USA – und sie alle wollen nach Kuba und Castros Inselreich mit ihrer Kultur beglücken. Mc-Donald’s-Filialen am Malecón von Havanna und Donut Shops an der geschichtsträchtigen Plaza de la Revolución von Santa Clara sind längst keine Utopie mehr, sondern wohl schon bald traurige Realität.

Dann werden wohlhabende Yankees auch dazu übergehen, den Kubanern ihre angerosteten Straßenkreuzer aus den 50er Jahren für teuer Geld unterm Hintern wegzukaufen, den morbiden Charme der historischen Stadtzentren mit vielen Dollars weg zu sanieren – und Wohnraum für die breite Bevölkerung unerschwinglich zu machen. Yes, we can – Barack Obama schafft im Land des Ex-Erzfeindes mit einem Lächeln all das, wozu seine Vorgänger mit Drohungen und Sanktionen nicht im Stande waren und stürzt es im Höllentempo von einem Extrem ins andere. Und was macht die kubanische Führung? Sie lächelt ebenfalls.

Sie braucht nämlich dringend neue Freunde, nachdem Venezuela seit dem Tod von Hugo Chavez vom „Best Friend“ zum Klotz am Bein mutiert ist, weil es Kuba finanziell nicht mehr unter die Arme greifen kann. Aus Raúl Castros Sicht ist die neue Linie deshalb wohl Realpolitik – Realpolitik, die zudem dazu beiträgt, die Familien-Millionen sicher ins Ausland zu transferieren. Noch ein Grund zum Lächeln! Wolfgang Ziegler Mittelbayerische Zeitung

Kuba-Besuch Barack Obamas

Im Namen des Antikommunismus und im Namen des Antiamerikanismus sind in Lateinamerika fürchterliche Verbrechen begangen worden. Deshalb ist der Besuch von US-Präsident Barack Obama auf der sozialistischen Karibikinsel Kuba tatsächlich bedeutungsschwer und geschichtsträchtig. Von einer Normalisierung der Beziehungen zwischen den früheren Erzfeinden werden auch die mittel- und südamerikanischen Staaten profitieren. Konnten sich so düstere Gestalten wie Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet auf den Kampf gegen den Marxismus berufen, so definierten sich die linken Guerilleros in Kolumbien oder Peru über ihre Fehde mit dem US-Imperialismus und dessen örtlichen Handlangern.

Sollte sich das Verhältnis zwischen Washington und Havanna wirklich entspannen, dann würde das für mehrere lateinamerikanische Länder eine gute Nachricht bedeuten. Innenpolitische Probleme könnten dann angepackt werden, ohne dass außenpolitische Bedrohungsszenarien jegliche Lösung verbauten. Kolumbien zum Beispiel: Seit mehr als fünf Jahrzehnten herrscht dort ein Bürgerkrieg. Weit über 200000 Menschen wurden getötet, Millionen vertrieben. Seit einiger Zeit werden konstruktive Friedensverhandlungen geführt. Wo? Auf Kuba. Schwäbische Zeitung

Obamas Baseball-Diplomatie in Kuba

https://youtu.be/d1BRr_OURHE

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