Interviews mit Sacharow-Preisträgern zum Internationalen Tag der Pressefreiheit

Seit 1988 hat das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für Menschenrechte an verschiedene Journalisten und Verfechter der Pressefreiheit verliehen. Wir haben mit einigen Preisträgern über ihre Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen für Journalisten vor dem Internationalen Tag der Pressefreiheit am Sonntag (3.5.) gesprochen.

Der syrische Cartoonist Ali Ferzat nutzte über Jahre Symbole anstatt Worte, um die Medienkontrolle in Syrien zu umgehen. “Gelegentlich wurde ich vom Geheimdienst einberufen aufgrund meiner kritischen Cartoons, die die Öffentlichkeit mochte”, erklärt er. 2011 wurde er von einer militärische Gruppe des Assad Regimes zusammengeschlagen. Anschließend floh Ferzat nach Kuwait, wo er nun im Exil lebt. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet.

Ebenfalls im Jahr 2011 erhielt die syrische Journalistin Razan Zaitouneh den Sacharow-Preis. Sie wurde am Stadtrand von Damaskus im Dezember 2013 entführt und ihr Verbleib ist bis heute ungeklärt.

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“Heute ist es schwieriger, Journalist zu sein als vor 20 Jahren”, sagt die algerische Journalistin Salima Ghezali. Es gebe immer mehr Konfliktzonen und es sei schwierig, korrekt von diesen Orten zu berichten. Auch die unsichere Arbeitssituation für Journalisten und die sich verschlechternde politische Moral der dominanten Elite erschwere die Situation für Journalisten. Die Journalistin, Schriftstellerin und Frauenrechtsaktivistin erhielt 1997 den Sacharow-Preis.

Ohne eine freie unabhängige Presse fehle ein Element der Demokratie. Es gebe keine Möglichkeit, die Öffentlichkeit angemessen zu informieren und Bürger mit wichtigen Einblicke für Debatten zu versorgen, erklärt Salima Ghezali.

Pressefreiheit in Belarus

Zhanna Litvina ist die Vorsitzende des belarussischen Journalistenverbandes seit 1995 und verfolgt die Mediensitution in ihrem Land über Jahrzehnte. Sie betont, dass die Medienöffentlichkeit in Belarus von Medien dominiert wird, die dem Staat gehören. “Wir haben viele unabhängige Zeitungen nach 2001, als die Präsidentschaftswahlen stattfanden, verloren. Entweder haben sie freiwillig geschlossen oder der Staat zwang sie, aufzugeben.” Besonders die Situation von Medien im Netz hob sie hervor. Regierungsagentur könnten Nachrichtenportal ohne Gerichtsbeschluss schließen.

Litvina, die den Sacharow-Preis 2004 erhielt, meint: “Wenn du etwas mit deinen eigenen Augen bezeugen kannst, musst du über diese Wahrheit schreiben, wenn du professionell bist.”

Reporter ohne Grenzen setzt sich für Pressefreiheit ein

2005 erhielt die Organisation Reporter ohne Grenzen den Sacharow-Preis. Christophe Deloire, Generalsekretär der Reporter ohne Grenzen, meint, dass die Situation der Pressefreiheit dank der neuen Technologien besser sein könnte. Stattdessen würden neue Technologien benutzt, um die Informationsfreiheit zu kontrollieren.

“Es ist als würden wir eine neue Ära von Propaganda beginnen, weil es einfacher für verschiedene Mächte, Regierungen oder radikale Gruppen ist, zu verhindern, dass Journalisten über ein Thema berichten.” Diese Organisationen könnten ihre Propaganda direkt über ihre Webseiten verbreiten und behaupten es seien Informationen.

Die Herausforderung sei es, unabhängige Informationen zu unterstützen und nicht Information, die von bestimmten Mächten oder Interessen gelenkt würden. “Die Gesellschaften brauchen Journalismus als dritte Säule, um die Welt so zu sehen, wie sie ist und nicht wie Regierungen, Unternehmen und religiöse Gruppen sie sehen wollen”, sagt Deloire. © Europäische Union

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