Leichtathletik-WM/Doping – Mehr Abschreckung ist nötig

Lebenslange Sperre könnte mehr abschrecken

In den Hexenküchen brodelt es, um mit geheimnisvollen Zaubertränken die Athleten noch schneller und stärker zu machen. Im Fokus stehen vor allem Kenia, Russland und China. Aber auch der Leichtathletik-Weltverband IAAF und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Ihr Interesse, Vorwürfen schnell und entschlossen nachzugehen, hält sich offenbar in Grenzen. Die deutschen Sportler haben es aber satt, sich ständig Märchen auftischen zu lassen. Allen voran Robert Harting. Alleine kämpfen Harting und seine Mitstreiter jedoch gegen Windmühlen. Seine Ein-Würfe sind in den USA oder Afrika nicht einmal kurze Meldungen wert. Stuttgarter Nachrichten

Das wichtigste Zitat nach einer großen Sportveranstaltung kommt immer aus der Politik. Auch im Sport. Sebastian Coe übernahm das Präsidenten-Amt des Weltverbandes mit Abschluss der Welttitelkämpfe und befand Peking für „absolut spektakulär“. Seit der smarte Brite von einer Kriegserklärung sprach, statt die ARD-Doping-Recherchen eines Hajo Seppelt als Hilfe für seine Sportart zu bewerten, fürchten wir zu wissen: Auch unter Coe wird die Blabla-Politik, in der Sprachhülsen wichtig sind, munter weitergehen. Dabei hätte Lord Coe Recht. Leichtathletik könnte – man beachte den Konjunktiv – in der Tat „absolut spektakulär“ sein.

Die Bilder aus China zeigten wieder, dass Laufen, Springen, Werfen oder gar eine Kombination daraus mitreißend ist, weil es für jedermann so wunderbar nachvollziehbar ist. Blöd ist nur eines und schön ist, dass ein anderer Präsident das auch formulierte: „Das Gespenst des Doping-Verdachts war ein Teilnehmer dieser WM“, sagte Clemens Prokop, der deutsche Verbands-Chef, der international nicht wie gewünscht zu Amt und Würden gekommen war. Es bleibt die Frage zu klären, ob „absolut spektakulär“ auch weiterhin nur ist, was am Ende als Welt- bzw. Europarekord wie bei Zehnkämpfer Ashton Eaton oder Sprinterin Dafne Schippers daherkommt. Es bleibt auch die Frage, ob immer nur die Medaillen „absolut spektakulär“ sind.

Denn ließe sich eine Bilanz rein medaillentechnisch erschließen, hätte auch Deutschland eine feine WM hinter sich: Vier Stoßer und Werfer, zwei Läufer, ein Mehrkämpfer und ein Springer sorgten schließlich dafür, dass unter 43 Medaillen verbuchenden Ländern nur Kenia, Jamaika und die USA mehr Plaketten sammelten – und das riesige Russland halb so viele. Das wäre zweifelsfrei „absolut spektakulär“, hätte es nicht „absolut fragwürdige“ Hintergründe. Von Claus-Dieter Wotruba Mittelbayerische Zeitung

Erst fünf Tage ist diese Weltmeisterschaft alt. Unter einem glücklichen Stern steht sie wirklich nicht. Dass jetzt in Peking zwei Läuferinnen aus Kenia erwischt worden sind, unterstreicht nur die schlimmen Befürchtungen: Die Leichtathletik hat trotz aller Abwehr- und Beschwichtigungsversuche ein echtes Doping-Problem. Es dürfte sogar viel größer sein als vor wenigen Jahren, denn auch die Nationen aus Afrika, explizit Kenia, haben doping-technisch aufgeholt. Die offensichtliche „Maskierung“ des verbotenen Mittels durch ein anderes bei beiden Läuferinnen setzt Wissen voraus. Neue Register müssen also gezogen werden, wenn es um spürbare Sanktionen geht.

Eine lebenslange Sperre könnte mehr abschrecken. Auch das deutsche Anti-Doping-Gesetz wird dies leisten. Dann brauchen sich Athleten nicht mehr, wie jetzt der Fall, so offen darüber zu beklagen, bei der WM mit dem zweimal überführten US-Sprinter Justin Gatlin in einem Stadion starten zu müssen. Schon seit den Enthüllungen über eine geheime Datenbank des Weltverbandes IAAF mit verdächtigen Blutwerten zahlreicher Sportler kochen die Diskussionen hoch. In Peking selbst verwahrt sich auch der neu gewählte IAAF-Präsident Sebastian Coe heftig gegen die Vorwürfe, man habe Fälle nicht weiterverfolgt und geriert sich als Anti-Doping-Kämpfer. Nun aber muss der frühere Läufer-Star konkret zeigen, dass er gewillt ist, keinen Fehlstart hinzulegen. Südwest Presse

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