Nicht nur Likes für Mark Zuckerberg

Vermögensspende des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg

Der Skandal ist nicht, dass Zuckerberg viel Geld hergibt. Das Konzept dahinter wäre eine Art Hilfe zur Selbsthilfe für Unternehmen, die aus Sicht der Zuckerbergs die Welt verbessern könnten.

Zuckerbergs Mega-Stiftung sollte anstiften: Zum Nachdenken darüber, ob es sich Regierungen leisten wollen, dank Steueroasen und dem Begünstigen von Stiftungen den Reichsten zu erlauben, zu entscheiden, wie sie der Gesellschaft Gutes tun wollen. Und ob überhaupt.

Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan müssen das nicht tun: 99 Prozent der Facebook-Aktien im Laufe der nächsten Jahre in eine Stiftung einbringen, deren Erträge der süßen Tochter (und anderen Erdenkindern) helfen sollen, in einer besseren Welt zu leben. Wobei besser heißt: noch vernetzter.

Der Skandal ist nicht, dass Zuckerberg viel Geld hergibt. Der Skandal ist: Wie er – via Facebook – so viel verdienen konnte. Dass er für seine 42-Milliarden-Euro-Gabe vor allem hierzulande nicht nur millionenfache Likes bekommt, hängt nicht nur mit der bei uns ausgeprägteren Neidkultur zusammen. Hierzulande gilt: Der Staat hat zu liefern. Ordentliche Straßen, Schulen und jede Menge Sicherheit. Dafür haben wir schließlich (ganz ehrlich?) Steuern gezahlt.

Doch durch die hohe Kunst der Steuervermeidung zahlt Facebook in Deutschland fast nichts. Gewinne verbucht die europäische Mutter in Irland, wo kaum Abgaben zu entrichten sind. Facebook ist bei weitem nicht der einzige Steuerflüchtling (und würde von der Börse und den Anlegern, also wiederum von vielen von uns!) abgestraft, wenn es nicht steueroptimiert handelte.

Würden wir das nicht alle gern? Statt Steuern zu zahlen, bestimmen, was mit unserem Geld (in unseren Augen) Gutes für die Gesellschaft getan wird? Stephan Hermsen Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

Die Welt verbessern – Zuckerbergs Vermögen nicht neiden

Zunächst einmal ist es lobenswert, sein Vermögen für einen guten Zweck einzusetzen. Einen Vorwurf sollte man Mark Zuckerberg, dem Gründer des sozialen Netzwerks Facebook, nicht machen, nachdem er verkündet hat, im Laufe seines Lebens 99 Prozent seiner Aktien für wohltätige Zwecke zu spenden. Gemessen am heutigen Wert wären das 45 Milliarden US-Dollar – und Familie Zuckerberg hätte noch mehrere hundert Millionen auf dem Konto. Man kann sich ohnehin kaum vorstellen, wofür eine kleine Familie so viel Geld überhaupt ausgeben könnte. Das Versprechen ist also erst einmal mit Vorsicht zu genießen. In den kommenden Jahren will der Multi-Milliardär den Großteil seines Vermögens behalten.

Zuckerberg tritt dennoch eine Debatte los: Sollen Superreiche selbst entscheiden, was mit ihrem Geld passiert und sich so als umfassende Wohltäter darstellen können? Oder sollte nicht ein Großteil ihres Vermögens dem Staat zufallen, der auch in den USA große Geldprobleme hat? Neid hilft nicht weiter; das Vermögen ist durch die erfolgreiche Etablierung einer guten Idee entstanden – das sollte man Zuckerberg nicht zum Vorwurf machen.

Vom Stiftungsmodell, das von Bill und Melinda Gates und ihrer Stiftung beeinflusst wurde, könnten derweil sogar Unternehmen unserer Region profitieren. Die Gates-Stiftung hatte erst 2013 einen großen Forschungsetat an ein Jenaer Unternehmen vergeben. Am Ende könnte also Zuckerbergs Vermögen innovatives Unternehmertum in aller Welt erfolgreich ankurbeln.

Das Konzept dahinter wäre eine Art Hilfe zur Selbsthilfe für Unternehmen, die aus Sicht der Zuckerbergs die Welt verbessern könnten. Also ganz so, wie sich Facebook selbst sieht. Florian Girwert Thüringische Landeszeitung

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