Totalschaden in Sachen Vertrauen bei VW

Volkswagens Elchtest

Autobauer auf der ganzen Welt haben in der Vergangenheit selbst lebensgefährliche Fehler ihrer Fahrzeuge häufig vertuscht und lieber hohe Entschädigungszahlungen für Todesopfer einkalkuliert, als teurere und imageschädigende Rückrufaktionen zu starten. Insofern ist der Autobranche vieles zuzutrauen. Dass ein Konzern jedoch mit krimineller Energie versucht, Behörden, letztendlich auch seine Kunden massiv zu betrügen wie jetzt Volkswagen, erschüttert dennoch, gerade während der Hochmesse der deutschen Autobranche, der IAA. Sofort stellt sich die Frage nach der Verantwortung von VW-Lenker Martin Winterkorn, jahrelang Entwicklungsleiter, bekannt als detailversessener Ingenieur, der sich rühmt, jede Schraube in seinen Volkswagen zu kennen.

Ist es denkbar, dass tatsächlich eine verschwörerische Clique in Wolfsburg auf eigene Faust die Steuerungssoftware von Dieseln manipuliert hat? Die Verantwortung dafür trägt auch ein nichtwissender Winterkorn, und gestern wurde es bereits einsam um ihn. Niemand sprang ihm bei. Kommt jetzt, woran selbst der scheinbar allmächtige Ferdinand Piëch scheiterte: Winterkorns Ablösung? Was auf jeden Fall kommt, ist ein Vertrauensverlust in die Glaubwürdigkeit der deutschen Autoindustrie und in der Folge konsequentere Kontrollen – oder: mehr gesundes Misstrauen. Gerd Heidecke Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Volkswagens Elchtest

Es ist 18 Jahre her, dass Daimler in schlimme Bedrängnis kam, als sich herausstellte, dass die damals neue A-Klasse unter bestimmten Bedingungen einfach umkippen kann. Jetzt droht Volkswagen ein ähnliches Desaster. Die Ingenieure des größten deutschen Autobauers scheinen so dreist gewesen zu sein, dass sie die Motoren bei Abgastests gezielt herunterdrosseln ließen, wogegen es ansonsten freie Fahrt hieß. Das Ergebnis: gute Testergebnisse gegenüber den strengen US-Umweltbehörden, aber trotzdem zufriedene Autofahrer. Es ist zwingend, dass Vorstandschef Martin Winterkorn den Vorgang von externen Experten untersuchen lässt.

Denn schwer lastet auf dem Konzern der Verdacht, dass auch höhere Manager oder sogar Vorstände selbst von der Manipulation gewusst haben könnten. Diejenigen, die von den Tricks gewusst haben, müssten – sofern sich alle Vorwürfe bestätigen – dann ihren Abschied nehmen. Wäre das angemessen? Ja, es droht eine Geldbuße in Höhe von umgerechnet 16 Milliarden Euro – und der Imageschaden kann noch größer sein. Von Reinhard Kowalewsky Rheinische Post

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