Volkswagen stellt 6,5 Millionen Euro zurück

Abgas-Skandal bei VW

Zu behaupten, der Volkswagen-Konzern sei eine kriminelle Vereinigung, ginge zu weit. In erster Linie stellt das Unternehmen Millionen solider Fahrzeuge her. Unsolide Praktiken und Gesetzesbrüche sind jedoch immer mal wieder Bestandteile der Wolfsburger Geschäftspolitik. Die absichtliche Manipulation von Abgaswerten bei Hunderttausenden Dieselfahrzeugen in den USA ist lediglich das jüngste Beispiel. Denken wir nur an den Bestechungsskandal der 2000er Jahre. VW-Manager hatten damals Betriebsräte korrumpiert. Der ehemalige Personalvorstand Peter Hartz wurde dafür verurteilt.

Wie in manchen anderen Firmen auch liegt das Problem beim VW-Konzern in der Führungskultur. In dem Unternehmen, das Miteigentümer Ferdinand Piëch lange Zeit als absolutistisches Königreich regierte, haben höchstens treue Vasallen wie Betriebsratschef Bernd Osterloh ein Wort mitzureden. Wegen des autokratischen Führungsstils funktioniert die Kontrolle der Leitung durch das mittlere und höhere Management nur schlecht. Da ist es kein Wunder, wenn sich das Unternehmen planmäßig über Gesetze und Politikkonzepte hinwegsetzt, die die Gesellschaften, in denen es arbeitet, beschlossen haben. Klimaschutz?

Jenseits der Werbebotschaften scheint dieses Anliegen für VW-Manager nur eine marginale Rolle zu spielen. Kriminelle Energie tritt in allen Teilen der Gesellschaft auf. Der neue VW-Skandal ist aber ein guter Beleg dafür, dass die Politik gerade den wirtschaftlich Mächtigen keinen Freifahrtschein ausstellen darf. Mit Selbstkontrolle der Konzerne, Broschüren zur Unternehmensverantwortung und freiwilligen Verhaltensregeln, die sich die Firmen selbst geben, ist es nicht getan. Gesetze, beispielsweise zu Abgaswerten, die der Staat nicht kontrolliert, werden auch nicht eingehalten. Denn die wenigsten Unternehmen verfügen über ein eigenes, institutionelles Gewissen. Deshalb braucht die Wirtschaft harte Regeln von außen, die die Politik auch durchsetzt. Hannes Koch, Berlin Neue Westfälische

Alle in der Europäischen Union zugelassenen Volkswagen mit Dieselmotoren erfüllen nach Konzernangaben die gesetzlichen Abgasbestimmungen. Von den Manipulationsvorwürfen über geschönte Abgaswerte in den USA betroffen seien ausschließlich Fahrzeuge mit Motoren des Typs EA 189, die in rund elf Millionen Fahrzeugen eingebaut sind. Die Motoren wurden nicht nur in VW-Modellen benutzt, sondern auch in anderen Fahrzeugen des Konzerns. Bei einem Großteil dieser Fahrzeuge habe die Software aber keine Auswirkungen auf das Messverfahren, teilte VW mit.

Volkswagen betont, dass die beanstandete Software – die erkennen soll wann sich ein Fahrzeug im Testverfahren befindet und wann nicht – im Alltag weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen beeinflusse. Um möglichen Prozessen zu begegnen, beabsichtigt Volkswagen rund 6,5 Milliarden Euro zurückzustellen. Die Ergebnisziele werden den veränderten Bedingungen angepasst. (ampnet/dm) Auto-Medienportal.Net

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