Verkauf von Innogy an Eon: Marktmacht begrenzen

Kein Ökostrom-Konzern

Verkauf von Innogy an Eon: Marktmacht begrenzen

Aus Drei mach Zwei – und schon wird das Geschäftemachen einfacher. Dass sich die 41.000 Beschäftigten des Dritten, Innogy, bald wieder an einen neuen Arbeitgeber, der teilweise die alte RWE ist, gewöhnen müssen: Wen schert es? Neben Innogy könnte die Energiewende zum Verlierer dieser unternehmerischen Entscheidung werden. Schließlich ist vorgesehen, dass die Zuständigkeit für Windparks und für das Stromnetz getrennt werden. Andererseits erwirbt RWE dadurch, dass es mit einer Beteiligung an Eon entschädigt wird, sogar Einfluss auf den bisherigen Konkurrenten.

RWE, nach der Abspaltung von Innogy auf seine konventionellen Kraftwerke zurückgeworfen, wird aufgrund des Deals wieder zu einem führenden Nutzer und Profiteur alternativer Energiequellen. Wie sich der Konzern künftig entwickeln wird, hängt natürlich auch vom Willen der Kommunen ab, die immerhin ein Fünftel der RWE-Aktien besitzen. Eon sichert sich mit der Verfügung über die Stromnetze eine dauerhafte Einnahmequelle. Auch wenn das Geschäftemachen scheinbar einfacher wird: Abgerechnet wird bei solchen Megaprojekten immer erst nach einigen Jahren. Westfalen-Blatt

Deal von Eon und RWE

Zum Verkauf von Innogy an Eon erklärt Wilfried Gillrath, Geschäftsführer des Ökostrom-Marktführers LichtBlick:

„Hier entsteht ein Megakonzern mit großer Marktmacht. Das gefährdet den Wettbewerb im Strommarkt und könnte auf Dauer zu höheren Strompreisen für die Verbraucher führen. Diese Fusion muss das Kartellamt sehr kritisch prüfen.

Eine mögliche Lösung wäre der Verkauf von Kundestämmen großer Tochtergesellschaften wie Eprimo und E wie Einfach an andere Wettbewerber. So würde die Marktmacht des neuen Konzernes begrenzt.

Mit der Übernahme von Innogy durch Eon entsteht kein Ökostrom-Konzern. Schon bisher verkauft Innogy lediglich 3 Prozent Ökostrom an seine Kunden und Eon lediglich 7 Prozent. Der Löwenanteil ist konventionelle Energie aus Kohle, Atom und Gas. Jetzt wird auch die grüne Erzeugung von Eon und Innogy in die Hand von RWE gelegt. Es entsteht ein Konzern, der auf die Rezepte der alten Energiewelt setzt. Für die Energiewende in Deutschland ist das keine gute Nachricht.

Jeder Kunde kann durch einen Wechsel zu einem echten Ökostromanbieter ein Zeichen für die Energiewende und einen fairen Wettbewerb im Strommarkt setzen.“ LichtBlick SE

Kartellexperte Haucap sieht keine Probleme bei Eon-RWE-Deal

Wettbewerbsexperte Justus Haucap sieht in der Übernahme von Innogy durch Eon kein Problem. „Aus Wettbewerbssicht ist der Deal ziemlich unproblematisch. Die Netze unterstehen ohnehin der Regulierung durch die Bundesnetzagentur oder Landesregulierungsbehörden, dabei ist es völlig egal, ob Innogy oder Eon die Eigentümer sind“ sagte Justus Haucap, Professor an der Universität Düsseldorf und früher Mitglied der Monopolkommission, der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.

Auch im Stromvertrieb sieht er wenig Probleme: „Im Vertrieb haben wir sowohl bei Geschäftskunden als auch bei Privatkunden einen sehr aktiven Wettbewerb mit zahlreichen Anbietern. Ob es da nun einen Anbieter mehr oder weniger gibt, ist für den Wettbewerb fast egal.“

Haucap verwies auf die Entwicklung des Marktes: „Vor zehn Jahren hätte ich eine solche Fusion anders beurteilt und die Kartellbehörden hätten ein solches Vorhaben wohl auch kaum genehmigt. Inzwischen ist die Marktmacht der ehemals „großen vier“ aber fast völlig zerbröselt und die Fusion daher auch nicht kritisch.“ Rheinische Post

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.